00:03
Lernt ein bisschen Geschichte, dann werdet ihr sehen, wie der Reporter sich damals entwickelt hat. Wie der sich damals entwickelt hat.
00:15
Hallo und herzlich willkommen bei Geschichten aus der Geschichte. Mein Name ist Daniel. Und mein Name ist Richard.
00:23
Ja, und wir sind zwei Historiker, die sich Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte erzählen. Immer abwechselnd und immer so, dass der eine nie weiß, was der andere ihm erzählen wird.
00:32
Genau so ist es.
00:35
Und Richard, herzlichen Glückwunsch zu Folge 573. 573. Da sind wir nämlich angelangt inzwischen. Bei unserem, wie du zu sagen pflegst, Werkel.
00:51
Bei unserem Werkel, ja.
00:54
Ja, Richard, haben wir irgendwelche hausmeisterlichen Themen zu besprechen?
00:57
Tatsächlich haben wir ein kleines hausmeisterliches Thema zu besprechen. Manche erinnern sich vielleicht, dass wir nach einer Folge, die du gemacht hast, und zwar über ein gewisses Radrennen in Frankreich, haben wir gesagt, so ein bisschen im Spaß, aber auch ernst, wer dort mitfährt, dem sponsern wir das Trikot. Ja, und naja, die Zeit holt uns alle ein, auch in diesem Fall, dieses Radrennen, Paris presst Paris, das findet nämlich nächstes Jahr statt und wir haben dazu ja damals auch schon ein eigenes Forum eingerichtet, wo sich die Leute anmelden haben können, die Interesse haben mitzufahren und unser Trikot zu tragen.
01:43
Und jetzt wird es ernst. Und wir haben uns zusammengetan mit einem Designer bezüglich des Trikots. Und wir würden jetzt im Grunde den Input jener Personen benötigen, die mitfahren und die auch schon in diesem Forum angemeldet sind. Weil das schon so lange her ist, kann ich mir vorstellen, dass halt alle die Notifizierung und so weiter gekriegt haben. Deswegen unsere Bitte.
02:06
Wer sich dort schon gemeldet hat, wer mitfahren will, bitte ins Forum schauen und mit unserem Designer Stefan kommunizieren, austauschen, damit wir wissen, was dann tatsächlich auf diesem Trikot sein soll, damit wir es alles in die Wege leiten können, damit es dann nächstes Jahr auch schon für die Qualifikationsfahrten zur Verfügung stehen kann.
02:24
Richtig. Und dann wird es die Möglichkeit geben, das Trikot vorzubestellen oder zu bestellen und das Rennen wird ja im August dann in Paris starten. Mhm.
02:33
Und Richard, wir sollten uns langsam um ein Hotelzimmer kommen. So langsam, ja. Paris. Sie waren noch nie in Paris.
02:40
Eben, das wird fantastisch und wir werden dort sicher auch ein HörerInnen-Treffen machen.
02:46
Wer war?
02:48
Naja, zumindest mit jenen, die mitfahren.
02:50
Also beim Start werden wir auf jeden Fall euch anfeuern. Natürlich.
02:54
Sehr gut. Dann muss ich auch gleich auf den Atlas schauen, was alles so in Paris passiert ist. Und mir die unterschiedlichen Orte raussuchen.
03:03
Paris ist eine recht beliebte Stadt am Atlas.
03:08
Ja, klar. Also ich meine Paris, London, das sind so die... Paris, London, New York. Ja. Wobei New York haben wir gar nicht so viel wahrscheinlich. Ja, nicht so viel.
03:16
Aber Paris und London, ja.
03:18
Gut. Apropos New York. Folge 572 habe ich letzte Woche bestritten. Und weißt du noch, worum es ging?
03:26
Achso, ja, natürlich. Du hast über eine Rivalität, die ursprünglich eine Freundschaft war, zwischen dem berühmten Houdini und dem berühmten Sir Arthur Conan Doyle gesprochen. Und unter anderem kommt auch New York vor. Aber auch Atlantic City und auch Boston.
03:46
Und London. Sehr gut. Warst du schon mal in New York?
03:50
Nein. Ich war noch niemals in New York. Ja, eben.
03:55
Das wollte ich jetzt hinaus. Ich werde auch noch nie mit zerrissenen Jeans durch San Francisco werden.
04:00
Aber du warst ja über ein Jahr in den USA, oder?
04:02
Ja, aber da war ich im Midwest und habe vor allem die Bundesstaaten des Midwest kennengelernt und kennen und lieben gelernt. Sehr gut. Ich bin ein Flyover-Country-Boy.
04:18
Du bist dazwischen gelandet wahrscheinlich in New York. Chicago. Chicago, ja gut. Lass uns doch weitermachen mit der Geschichte. Hast du was vorbereitet, Richard? Natürlich habe ich was vorbereitet. Werter Daniel. Sollen wir direkt reinspringen?
04:33
Wenn du sonst nichts mehr hast, gerne. Gut, Daniel.
04:38
Frankfurt, Frankfurter Main, Frühjahr 1873. Seit dem 1. April kostet ein Glas Bier viereinhalb Kreuzer, was an sich keine besonders komplizierte Sache wäre. Es gibt allerdings keine Halbkreuzermünze. Wer fünf Kreuzer auf dem Tisch legt, kriegt deshalb einen Gutschein über den fehlenden halben Kreuzer. Und beim nächsten Bier kann der dann eingelöst werden, allerdings nur bei diesem einen Wert.
05:04
Das heißt, der Wirt gibt das Papier aus und nur bei ihm bekommt man dann auch den Gegenwert.
05:11
Dir kommt es jetzt natürlich bekannt vor. Dir kommt es jetzt bekannt vor und zwar aus unserem Crossover mit Tatort Geschichte. Zu den Bierkriegen. Richtig. Die Frankfurter Bierunruhen.
05:21
Und Hannes erklärt es dort auch sehr schön. Man zahlt also diese fünf Kreuze, kriegt einen Halbkreuzegutschein zurück und der geht dann halt wieder nur bei diesem einen Wirt. Und wie das Ganze mit diesem Bierunruhen ausgeht, das beschreiben Hannes und Niklas in GAG 456. Und ich empfehle, da mal reinzuhören.
05:39
Wir allerdings, wir widmen uns diesen Gutschein. Für solche Zettel, Marken oder Münzen, da gibt es im Englischen nämlich ein Wort, das ich in dieser Folge sogar mal erwähne, nämlich Script.
05:53
Und Scrib ersetzt Geld allerdings nur in einem begrenzten Bereich. Also eine Firma oder ein Unternehmer gibt es aus und verspricht dafür einen bestimmten Gegenwert. Und in Frankfurt, da hängt an so einem Stück Papier ein halber Kreuzer und in anderen Fällen allerdings, da hängt dran bald ein ganzer Haushalt.
06:12
Daniel, ich erzähle dir in dieser Folge vom Geld, das man nur an ganz bestimmten Orten ausgeben kann. Wir kommen dabei in Bergbausiedlungen, in denen man bei derselben Firma arbeitet, einkauft und zur Miete wohnt. Und wir treffen einen Bergmann aus einem Lied. Ein Lied, in dem er singt, er schulde seine Seele dem Unternehmensladen.
06:36
Und die Frage ist, wie kann ein Unternehmensladen jemanden so weit an sich binden? Und die weitere Frage ist, stimmt es überhaupt genau so, wie es beschrieben wird? Fantastisch, Richard. Ich freue mich schon. Sehr gut.
06:53
Daniel, beim Frankfurter Wirt, da kann man den Gutschein liegen lassen und sich sein nächstes Bier einfach woanders holen.
07:00
Dann verliert man halt diesen halben Kreuzer. Schwieriger wird das Ganze, wenn man von dem Mann hinter dem Ladentisch auch seine Arbeit bekommt. Deshalb springen wir jetzt einmal zu Nagelmachern. Und zuerst hören wir kurz einmal in der Fabrik rein. die sich ein französischer Schriftsteller ausgedacht hat. Also wir hören nicht wirklich rein. Wir stellen uns vor, wie es sich anhört. Stendhal hat geschrieben Le Rouge et le Noir. Auf Deutsch Rot und Schwarz.
07:30
Wahrscheinlich sein berühmtester Roman. Und der beginnt in einem Ort namens Verrières.
07:36
Und wer in dieses Städtchen in der Franche Comté kommt, der hört einen ziemlichen Lärm. Ein Bach treibt dort ein großes Wasserrad an und dieses Rad, das hebt 20 schwere Hämmer, die immer wieder auf Eisen schlagen. Und junge Arbeiterinnen, die schieben die Eisenstücke drunter und so entstehen jeden Tag tausende Nägel. Die Fabrik gehört am gewissen Monsieur de Renal, dem Bürgermeister von Verrieres.
08:04
Und wer hier für ihn arbeitet, hat also denselben Mann als Fabriksbesitzer und als Bürgermeister vor sich.
08:11
Den Ort und den Bürgermeister, den hat sich Stendhal ausgedacht. Die Maschinen allerdings, die immer mehr Nägel herstellen, die gibt es zur selben Zeit allerdings auch außerhalb seines Romans. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals, im englischen Black Country, westlich von Birmingham, da arbeiten viele Familien sogar noch von Hand. Ihre kleinen Werkstätten, die stehen oft direkt neben dem Haus, dort erhitzen sie Eisen, schlagen draus die Nägel.
08:41
Sie müssen dabei recht schnell sein und auch die richtigen Maße treffen, damit sich diese Nägel dann auch verkaufen lassen.
08:46
Allerdings, wer kauft ihre Nägel, wenn Maschinen ebenfalls schon solche herstellen? Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verlieren diese Handwerkerinnen und Handwerker nach und nach Aufträge an diese maschinelle Produktion. 1818 gibt es ungefähr noch 60.000 Nagelmacher. 1871 zählt eine britische Untersuchungskommission nur mehr ungefähr 25.000.
09:13
Die Familien arbeiten daheim an ihren Nägeln, aber es werden halt immer weniger von ihnen und an das Eisen kommen viele über einen Zwischenhändler, der oft als Fogger bezeichnet wird und dieser Fogger, der gibt der Familie das Material, nimmt dann später die fertigen Nägel entgegen und rechnet die Arbeit ab.
09:33
Oft betreibt dieser Fogger aber auch einen Laden und dort soll die Familie dann auch einkaufen. Vor dieser Untersuchungskommission, die ich erwähnt habe, einer Royal Commission, da sitzt 1871 ein Nagelmacher, der 12 Schilling in der Woche verdient. Und von diesem 12 Schilling, da muss er den größten Teil in diesem Laden des Foggers ausgeben.
09:56
Kauft er dort zu wenig, dann beschwert sich auch dieser Fogger. Also der Nagelmacher erzählt, wie so ein Gespräch klingt. Der Fogger sagt zum Beispiel, Well, you don't spend enough money and if you don't spend more money, of course you cannot look to me for work. Also sie geben nicht genug Geld aus und wenn sie nicht mehr ausgeben, können sie natürlich nicht erwarten, dass ich ihnen Arbeit gebe.
10:20
Bedeutet also, der Nagelmacher, der kommt mit seinen fertigen Nägeln zu diesem Fogger, um abzurechnen, der setzt fest, was die Arbeit wert ist. Er weiß aber auch, wie viel die Familie bei ihm eingekauft hat. Und wenn ihm das zu wenig ist, dann verweigert er dem Nagelmacher beim nächsten Mal einfach das Eisen. Kann also so gut den Nagel machen, wie er will, ohne das Eisen und ohne jemanden, der ihm dann auch diese Nägel abnimmt, verdient er einfach nichts mehr. Also er ist im Grunde vollkommen abhängig. Genau. In England läuft dieses System zu jener Zeit unter dem Namen Truck.
10:54
Mit einem Lastwagen hat das nichts zu tun. Das Grund der Wort, das Tauschen bedeutet, kommt vom französischen Troquet. Der Lastwagen hat seinen Namen vom griechischen Trochos, dem Rad.
11:08
Aber auf jeden Fall ist es das sogenannte Truck-System. Also die Arbeiterinnen und Arbeiter, die kriegen Waren oder Gutscheine als Lohn, kaufen dann auch auf Vorschuss oder müssen ihr Geld in einem bestimmten Geschäft ausgeben.
11:21
Und manchmal zieht der Arbeitgeber dann die Einkäufe auch gleich bei der Abrechnung ab. Script, was ich vorhin beschrieben habe, also diese Marken oder die Zettel, die kann man dafür verwenden, es geht aber auch ohne. Also der Nagelmacher kann seinen Lohn schon in Geld ausbezahlt bekommen und trotzdem gezwungen sein, bei diesem Fogger einzukaufen.
11:43
Und im Laden dieses Foggers kann derselbe Einkauf auch recht teuer sein. Also ein erfahrener Nagelmacher rechnet der Kommission 1871 vor, dass in jeder Schilling dort 13 Pens mehr kostet als im günstigeren freien Laden. Es gibt andere Unterschiede, mehr oder weniger, aber es kommt immer ein bisschen darauf an, bei welchem Meister oder Fogger du einkaufst.
12:08
Billiger einkaufen gehen bedeutet dann halt allerdings auch, dass man in einer schlechten Auftragslage als einer der ersten dann kein Eisen mehr von diesem Fogger kriegt. Und wie du an der Existenz dieser Kommission wahrscheinlich schon gemerkt hast, Der Staat will dabei natürlich nicht einfach zuschauen. Also schon 1831, da steht im sogenannten Truck Act, dass der Lohn mit Current Coin of the Realm bezahlt werden muss, also mit gültigen Münzen des Königreichs.
12:40
Und es darf auch nicht vorgeschrieben werden, wo die Beschäftigten das Geld ausgeben. Also wer seinen Arbeiterinnen und Arbeitern Waren liefert, hat damit deren Lohn noch nicht bezahlt. Das Gesetz sagt also sehr ausdrücklich, welches Geld der Arbeitgeber verwenden muss. Die Wirtschaftshistorikerin Elaine Tan, die interpretiert diese Truck-Gesetze deshalb vor allem auch als Geldpolitik. Da geht es nicht in erster Linie um den Arbeitnehmerinnenschutz, sondern der Staat will selbst bestimmen, welches Geld umläuft.
13:11
Du hast ja mal Erfolge gemacht über das Wunder von Wörgl.
13:15
Ja, mit dem Schwundgeld.
13:16
Mit dem Schwundgeld, genau. Nur kurz, da ist eine Tiroler Marktgemeinde im Jahr 1932 und die gibt eigene Arbeitswertbescheinigungen aus, mit denen sie öffentliche Arbeiten bezahlt und die Geschäfte im Ort freiwillig annehmen. Und die österreichische Nationalbank setzt dem Ganzen im Jahr 1933 Ende. Da werden diese Scheine wieder eingezogen.
13:38
Damit enden aber auch schon ein bisschen die Gemeinsamkeiten zwischen dem Truck-System und dem Wörgler-Freigeld. Also die Geschäfte in Wörgl, die können diese Scheine ablehnen. Unser Nagelmacher allerdings, der muss beim Einkauf daran denken, ob ihm der Meister weiterhin sein Eisen gibt.
13:53
Aber ich meine, die Motivation dahinter ist natürlich eine andere, weil beim Wörglergeld ging es ja darum, der Geldentwertung der Deflation entgegenzuwirken und zu sagen, okay, euer Geld verliert einfach immer wieder an Wert, ihr müsst das Geld ausgeben.
14:05
Richtig, also da geht es nicht darum, dass hier, also da geht es um die Bekämpfung eines anderen Problems, aber sowohl beim Truck-System in Großbritannien als auch beim Freigeld hat der Staat ein Problem damit, dass hier was ausgegeben wird, worauf sie eigentlich das Monopol haben.
14:22
Diese Truck-Regeln, die betreffen übrigens auch britische Kohlegruben, die Collieries. Als diese Kommission 1871 Menschen befragt, da kommt der größte Teil dieser Fälle, die beschrieben werden, aus dem Bergbau und aus der Verarbeitung von Mineralien. Also 40 Jahre nach dem Gesetz von 1831 erzählen sie noch immer, wie die Arbeitgeber ihnen beim Einkaufen reinreden.
14:48
Solche Firmenläden, die gibt es aber nicht nur in Großbritannien und dafür springen wir jetzt in die Appalachians, dieses lange Gebirge im Osten der USA.
14:59
Und während du bei den Nagelmachern was von einer fiktiven Nagelfabrik in Frankreich gehört hast, lassen wir hier ein bisschen was über einen Bergmann aus dem Song Sixteen Tons erzählen.
15:12
Ich weiß nicht, ob du ihn kennst, aber der Refrain dieses Songs geht so. You load sixteen tons, what do you get? Another day older and deeper in debt. Saint Peter, don't you call me cause I can't go. I owe my soul to the company's store.
15:29
Also auf Deutsch, du lädst 16 Tonnen und was hast du davon? Wieder einen Tag älter und noch tiefer in den Schulden. Petrus, ruf mich nicht zu dir. Ich kann nicht gehen. Ich schulde meine Seele dem Firmenlarm.
15:43
Der Musiker Merle Travis, der schreibt dieses Lied im Jahr 1946 und Tennessee Ernie Ford, der macht es 1955 dann zum Riesenerfolg. Und es erzählt halt von einer ziemlich aussichtslosen Situation. Dieser Mann schaufelt den ganzen Tag Kohle und am Abend hat er dann trotzdem mehr Schulden als am Morgen. Er kann nicht einmal sterben, weil er eben dem Firmenladen seine Seele schuldet.
16:08
ist natürlich ein Bild von Ausbeutung, das hängen bleibt, du kannst arbeiten, so viel du willst, du kommst aus deinen Schulden nicht mehr raus. Und wenn man sich vorstellt, wie die Menschen in solchen Bergbaussiedlungen gelebt haben, hat man schnell einmal genau diese Art von Bergbahn im Kopf.
16:23
Jetzt gibt es allerdings einen Historiker, der sich Firmenunterlagen angeschaut hat, ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner solcher Orte befragt hat, ein gewisser Crandall Schifflett. Sein Buch heißt Cold Towns. Und in diesen Erinnerungen, die er aufgeschrieben hat, begegnen uns Menschen, deren Leben ziemlich unterschiedlich ausschauen. Manche erzählen von ihren Schulden, andere davon, wie viel besser sie es nach dem Umzug in so eine Cold Town gehabt haben.
16:50
Es fängt vielleicht bei einer kleinen Sache an, bei diesen 16 Tonnen. Als durchschnittliche Tagesleistung in den 1920er Jahren nennt Schifflett nämlich 8 bis 9 Tonnen.
17:01
Interessanterweise einer der Bergleute, die er befragt, ein gewisser Jay Watkins, der hat sogar mit dem Vater von Merle Travis gearbeitet, also mit dem Vater von dem, der das Lied geschrieben hat. Und dieser Jay Watkins, der sagt, dass diese 16 Tonnen so eine besondere Probe für jemand Neuen war, der gerade gekommen ist. Also die älteren Bergleute, die nehmen sich da an dessen ersten Tag ein bisschen zurück, damit der Neue dann diese Menge laden und zeigen kann, was er schafft. 16 Tonnen.
17:29
Im Lied wird aus dieser besonderen Leistung dann der tägliche Alltag. Beim Zuhören versteht man aber halt trotzdem, wie hart dieser Mann, der da von seinen Problemen sinkt, arbeitet. Wir schauen uns jetzt aber vor allem auch an, wie diese Schulden entstehen, die er abarbeiten muss. Was kauft er in diesem Laden? Was wird ihm vom Lohn abgezogen? Und vielleicht auch die Frage, kann er einfach woanders hingehen? Fangen wir zuerst beim Laden an. Warum baut so eine Kohlefirma überhaupt so ein Geschäft? Es ist ja so, So eine Kohlefirma, die in einer dünn besiedelten Gegend eine neue Grube öffnet, die braucht Leute, die dort Kohle abbauen.
18:06
Unter Tag arbeiten in diesen amerikanischen Kohlegruben damals fast ausschließlich Männer. Also viele kommen aber mit ihren Familien oder holen sie nach. Die Frauen, die versorgen dann meist den Haushalt und die Kinder. Manche verdienen mit Waschen oder als Verkäuferinnen Geld dazu. Oder sie nehmen andere Bergleute auf, kochen für sie und vermieten ihnen ein Bett. Auch von sowas lebt so eine Familie in so einem Ort.
18:32
Die Menschen, die dann dort hinziehen, die brauchen also Häuser und einen Ort, an dem sie Lebensmittel kaufen können. Und in der Nähe gibt es meistens weder das eine noch das andere. Also niemand weiß ja am Anfang, ob diese Grube wachsen wird, ob sie eventuell mit einer kleinen Belegschaft auskommen oder ob sie vielleicht bald wieder schließen wird. Und für einen freien Händler ist es ein ziemliches Risiko. Der müsste einen Laden aufmachen, ohne zu wissen, wie lange seine Kundschaft hier überhaupt Arbeit haben wird.
19:02
Viele warten lieber deshalb, bis sie zum Beispiel über eine Bahnlinie oder eine größere Straße Leute aus mehreren Gruben erreichen können. Die Kohlefirma allerdings, die kann so lange nicht warten. Also die Bergleute und ihre Familien, die brauchen jetzt was zu essen und sie brauchen jetzt auch ein Dach über dem Kopf. Also bauen sie die Häuser und eröffnen den Laden einfach selber.
19:24
Diese Orte, die heißen dann Company Towns. Zur Firma gehört dann neben der Grube auch ein großer Teil dieser Siedlung und wer hier eine Stelle annimmt, kann gleich auch ein Firmenhaus mieten und im Firmenladen einkaufen. Später kommen vielleicht andere Händler dazu, aber zuerst einmal ist es nur die Firma.
19:43
Ein gewisser Hilton Garrett, der steigt 1923 in Alabama in einen Zug. Er will nach Wheelwright im Osten von Kentucky, einer Bergarbeitersiedlung der Inland Steel Company. Garrett ist schwarz. Ein Freund ist schon dort und der hat ihm geschrieben, dass Männer gebraucht werden. Also fährt Garrett hin, zuerst einmal allein. Er arbeitet bis zum ersten Saaltag und holt dann seine Frau nach.
20:08
Und die Kohlefirmen, die brauchen um 1900 und dann vor allem nochmal während des Ersten Weltkriegs besonders viele Arbeiter. Auf den Farmern in den Bergen, da reicht es für viele ohnehin immer. Werden zum Beispiel diese Höfe da immer weiter aufgezeigt, dann bleibt für die nächste Generation zu wenig Land. In der Mine allerdings, da kann man mehr verdienen. Und die Firmen werben Leute an, bauen Häuser, damit sie eben auch ihre Familien mitbringen können und bleiben können.
20:37
Und dieser Garrett, dieser Hirten Garrett, der braucht nach seiner Ankunft zuerst einmal Geld, bevor er seine Frau nachholen kann. Und wartet eben da auf den ersten Zahltag. Und wie so ein Zahltag abläuft, Das können wir uns aus der Erzählung aus einem anderen Kohleort anschauen, nämlich Stoniga im Südwesten von Virginia. Dort sitzen nämlich über dem Firmenladen die sogenannten Payroll-Clerks, also die Angestellten der Lohnabrechnung. Also unten kauft die Familie Lebensmittel ein, oben rechnen sie dann aus, wie viel der Bergmann verdient hat und was ihm davon ausgezahlt wird.
21:11
Und um zu verstehen, was diese Clerks da oben abrechnen, müssen wir jetzt kurz einmal mit so einem Bergmann unter Tage gehen.
21:20
In der Zeit, in der wir uns gerade befinden, da wird die Kohle noch von Hand abgebaut. Und so ein Bergmann, der arbeitet dann in seinem eigenen Abschnitt am Flöz, also an der Kohleschicht. Er legt sich auf die Seite oder auf den Rücken und schlägt dann mit der Spitzhacke unten so einen keilförmigen Spalt in die Kohle. Dann bohrt er Löcher, füllt Schwarzpulver ein und sprengt das Ganze. Und die gelöste Kohle, die schaufelt er dann in einen Wagen.
21:47
Und bezahlt wird er nach den Tonnen, die er aus der Gruhe bringt. Mit dem Pulver, das er verwendet, muss er deshalb aufpassen. Nimmt er zu wenig, bleiben große Brocken, die er noch einmal zerkleinern muss. Nimmt er zu viel, wird aus einem Teil der Kohle ein feiner Staub und dafür kriegt er nichts. Außerdem kann die Sprengung auch das Dach schwächen. Ist immer eine Gefahr. Die Spitzhacke, die Schaufel, seine Lampe und die ganzen anderen Arbeitsgeräte, die muss er selber kaufen. Die muss er auch selber warten.
22:16
Und oben im Lohnbüro, da führen die Clerks dann darüber ihre Listen. An welchen Tagen hat der Mann gearbeitet, wie viele Wagen hat er beladen. Unten im Laden kann die Familie jetzt die Lebensmittel kaufen, auch wenn noch gar nicht Zahltag ist. Der Clerk schreibt den Einkauf einfach auf das Konto des Bergmanns.
22:36
An einem Freitagnachmittag stehen die Männer also dann am Payroll-Window, diesem Auszahlungsfenster. Jetzt gibt es den Lohn für zwei Wochen. Der Clerk zieht zuerst ab, was der Mann schon im Laden gekauft hat oder sich als Vorschuss geholt hat. Dazu kommen dann die Miete und das Geld für Licht, Heizkohle oder auch wenn ein Arzt kommen hat müssen. Mhm.
22:56
Beim Nagelmacher, wenn du dich erinnerst, da geht ja auch das Eisen durch die Hände des Foggers und hier rechnet die Firma sogar das Pulver ab, mit dem der Bergmann die Kohle aus dem Berg holt. Was dann übrig bleibt, das bekommt er im Fensterbarhaus bezahlt.
23:11
Bei manchen Minen in Virginia und West Virginia, da machen solche Abzüge nach 1900 ungefähr 30 bis 50 Prozent der Lohnsumme aus. Was bedeutet, dass ein nicht unerheblicher Teil schon für Wohnen, für Versorgung und für die Arbeit ausgegeben wird, bevor die Männer ihr Bargeld überhaupt abholen können. Der Firmenladen kann die Familie also schon vor dem Zahltag mit Lebensmitteln versorgen. Die Firma weiß ja, was der Bergmann verdient und zieht es dann einfach vom Einkauf ab.
23:39
Und das ist jetzt auch ein Grund, warum es nicht so viele freie Händler gibt. Weil ein freier Händler, der weiß bei einem neu angekommenen Bergarbeiter viel weniger über dessen Einkommen. Und wenn der seine Rechnung nicht bezahlt, dann kann der freie Händler sie eben nicht einfach vom Lohn abziehen.
23:55
Und hier kommt jetzt vor allem auch wieder Script ins Spiel. Für den Vorschuss im Company Store, da kann sich der Bergmann nämlich diese Marken oder Zettel holen, die er dann im Laden ausgibt. Oder der Clerk schreibt den Einkauf einfach auf sein Konto. Braut sein einmal die Marke, aber diese Scriptmarken, die werden für solche Dinge verwendet. Laden und Script gehören also oft zusammen und für die Firma haben solche Vorschüsse auch noch einen anderen Vorteil. Sie müssen nämlich weniger Bargeld ins abgelegene Camp bringen und müssen es auch nicht bewachen.
24:26
Die Tennessee Coal Iron & Railroad Company, TCI, die prägt zum Beispiel eigene Kupfermarken von Penny bis zum Dollar. Andere Firmen, die machen ihren Script aus Papier, aus Karton oder aus Plastik. Edith Shoemaker, eine Frau, deren Erinnerung an Schifflet auch aufgeschrieben hat, die erwähnt Marken aus hartem Karton oder Plastik und wenn die aneinander schlagen, dann klappert es und die Bergleute nennen sie deshalb auch Klacker.
24:57
Also jetzt wissen wir, wie die Firma den Lohn abrechnen und wie man schon vor dem Zahltag im Laden einkaufen kann. Aber wie lebt es sich eigentlich in so einem Ort? Auch dafür hat Schifflett Menschen befragt, die dort aufgewachsen sind. Und was sie erzählen, das hängt auch stark davon ab, wie die Familie vorher gelebt hat. Und vor allem auch, ob das Geld bis zum nächsten Zahltag reicht.
25:19
Eine gewisse Melba Keseer, die kommt 1944 mit ihrem Vater nach Dossina in Alabama, wo sie ursprünglich gelebt haben. Auf einer Farm in Tennessee, da hat sie zum Beispiel durch die Ritzen im Fußboden die Hühner, die unterm Haus herumgelaufen sind, beobachten können. In Dossina, da bezieht die Familie jetzt ein gestrichenes Haus mit Tapete. Es gibt elektrisches Licht, es gibt fließendes Wasser, es gibt ein Telefon, es gibt ein Klo mit Spülung.
25:47
Und für sie ist dieser Umzug zuerst einmal ein Aufstieg. Also gerade von dieser Toilette mit Spülung wird sie später dann mit großer Begeisterung erzählen. Und Dosina gehört TCI, also der Firma mit den Kupfermarken.
26:01
Bei Birdie Kyle, da geht es in der Erinnerung an den Firmenort, wo sie lebt, vor allem darum, wie die Familie bis zum nächsten Zahltag durchkommt. Sie wächst in Cabin Creek in West Virginia auf, in einer Familie mit zwölf Kindern. Und werden die Vorräte knapp, dann kann ihr Vater Scrib als Vorschuss auf den nächsten Lohn holen. Die Familie kauft dann sofort Lebensmittel und beim Zahltag fehlt halt dann dieser Betrag beim Bargeld.
26:29
Oder die Familie versucht, ohne weiteren Vorschuss auszukommen. Dann streckt die Familie einfach ihre Vorräte und das Eingekochte, bis wieder Geld ausbezahlt wird. Und Birdie Kyle nennt das den Script Battle, den Script Kampf. Sie schreibt, Usually our family, due to its size, lost the script battle. Also bedeutet zu viel wie bei unserer großen Familie, haben wir diesen Kampf meistens verloren.
26:56
Diesen Vorschuss zu brauchen, heißt allerdings auch noch nicht, dass die Familie von Zahltag zu Zahltag mehr Schulden anhäuft. Also zuerst einmal bedeutet es, dass sie einfach einen Teil des nächsten Lohns schon ausgeben. Bei Birdie Kyle wird aber klar, wie knapp dieses Geld zwischen diesen Zahltagen ist.
27:13
Auch wer auf eine andere Zahlung warten muss, kann ein Skript bekommen. In Stoeniger zum Beispiel überbrücken verletzte Arbeiter damit die Zeit bis zur gesetzlichen Unfallentschädigung und manchmal holen Bergleute gemeinsam auch einen Vorschuss um, um einem Kollegen zu helfen.
27:28
Eine gewisse Annie Kelly erinnert sich auch an die Frauen, die am Morgen in diesen Laden gehen, um einzukaufen. Sie haben daheim keinen Kühlschrank, können frische Sachen also nicht lang aufheben und im Laden holt ein Clerk für sie dann die Bestellung aus den Regalen Du hast in deiner Folge über Piggly Wiggly, GRG 56, erzählt, wie sich das mit der Selbstbedienung verändert hat. Man geht selbst durch den Laden, nimmt die Waren aus dem Regal. Hier sagen die Frauen jetzt noch dem Angestellten, was sie brauchen.
27:59
Und während sie warten, erzählen sie einander dann auch so, was das Neues gibt. Danach müssen sie wieder heimkochen, waschen und sich um die Kinder kümmern.
28:08
Annie Kelly erzählt auch, wie aufwendig das Waschen ist. Ein oder zwei Tage in der Woche sind für die Wäsche mit Waschbrett und Waschbottich vorgesehen. Und auch das Bad nach der Schicht macht Arbeit. Solange es keine Badeanstalt gibt, muss das Wasser dafür zuerst einmal herangekarrt werden und auf dem Küchenherd erhitzt werden. Du kannst dir vorstellen, jemand, der aus so einer Kohlenmine kommt, braucht ziemlich viel Wasser, um sich zu reinigen.
28:34
Das zu waschen und auch die Wäsche natürlich, also die ist ja sicher extrem eingeschwärzt.
28:42
In Dossina bedient der Company Store übrigens weiße und schwarze Bewohner getrennt. Also sie wohnen auch in getrennten Teilen des Ortes, schicken ihre Kinder auf getrennte Schulen. Wir kennen diese Rassentrennung im amerikanischen Süden unter dem Namen Jim Crow.
28:58
Das ist im Grundgesetz vorgeschrieben und die Firmen und die weißen Behörden, die setzen das dann auch im Alltag durch. Für Garrett, den wir ganz am Anfang kennengelernt haben, in Wheelwright, da heißt das zum Beispiel auch, an der Soda Bar für Weiße wird er nicht bedient.
29:15
Es gibt in diesen Erzählungen so einen Ausriss von einem Interviewer, da wird er Jahrzehnte später zu dieser Rassentrennung befragt oder eine Interviewerin sagt, I never heard of that, how that gets started. Also davon habe ich noch nie gehört, wie hat das angefangen? Und Garrett antwortet, it was going on when I was born. Das war schon so, als ich geboren wurde.
29:34
Hm.
29:38
Der Laden soll für die Firma natürlich auch Geld verdienen. Bei Möbeln kann dieser Company Store mehr auf den Einkaufspreis draufschlagen, bei Lebensmitteln weniger. Wenn die Familien also dort einkaufen, kriegt die Firma also einen Teil des ausgezahlten Lohns auch wieder zurück. Und in Storniger macht das Store zum Beispiel auf diese Weise über viele Jahre ziemliche Gewinne.
30:00
Als die Kohlewirtschaft in der Depression dann einbricht, macht 1933 allerdings auch das Dorien zu Niger Verlust. Die Bergleute arbeiten weniger und verdienen weniger und damit fehlt den Familien halt auch das Geld, um beim nächsten Zahltag ihre Rechnung zu begleichen. Mhm.
30:17
Du fragst dich jetzt natürlich, wie teuer ist es tatsächlich dort einzukaufen, weil oft ist es der einzige Laden, in dem man einkaufen kann und das kommt tatsächlich auch auf den Ort. Ich habe gelesen von einem Payroll-Clerk, der erwähnt hat, dass wahnsinnig hohe Aufschläge drauf kommen. Andere Bewohnerinnen und Bewohner dieser Orte sagen allerdings, dass es in den Company Stores einfach bessere Ware gegeben hat als bei den freien Händlern.
30:42
Aber selbst wenn man von einem billigeren Laden weiß, muss man ja auch erst hinkommen und die Einkäufe dann auch wieder heimbringen. Und oft haben diese Orte keine Zuganbindung und Autos sind zu jener Zeit auch noch nicht so verbreitet.
30:54
Also in einem abgelegenen Camp ist der nächste brauchbare Laden dann oft Kilometer entfernt und dann zahlt die Familie halt für den Semsackmehl mehr, weil sie schlecht woanders hinkommt. In einem Ort namens Nuttelburg zum Beispiel, da fahren in den 1920er Jahren vier Züge am Tag. Also man kann am Morgen nach Charleston fahren, dort einkaufen und am Abend wieder daheim sein.
31:17
In Wheelwright, wo Garrett wohnt, da kommt man zuerst überhaupt nur mit dem Zug hin. 1926 besitzen dort noch keine zehn Menschen ein Auto und bis dann tatsächlich asphaltierte Straße den Ort erreicht, müssen sie bis ins Jahr 1935 ab.
31:35
Es gibt aber auch die Möglichkeit, in Versandhandel zu bestellen. Also Sears und Montgomery Ward, die schicken Möbel und Kleidung und Haushaltswaren mit der Bahn. Und auch Bauern aus der Umgebung, die verkaufen Gemüse am Rand des Camps. Man ist also nicht überall auf den Company Store angewiesen. Es gibt manche freie Händler, die teilweise sogar auch diese Scriptmarking annehmen.
31:56
Sie geben dafür allerdings weniger, als draufsteht. Ein gewisser Robert Hicks erinnert sich daran, dass er selbst solche Marken gekauft hat. Und zwar für einen Script-Dollar zahlt er 75 Cent. Hm.
32:09
Beim Einkaufen gibt es also schon Möglichkeiten, der Firma auszuweichen. Also man kann bei einem freien Händler kaufen oder im Versandhandel bestehen. Schwieriger wird es, wenn dem Unternehmen auch das Haus gehört, in dem man lebt. Und da ist es sinnvoll, dass wir uns einmal anschauen, was der Gesetzgeber überhaupt schützt und was nicht. Und da können wir zum Beispiel auch nach Deutschland springen. In Deutschland verlangt die Gewerbeordnung ab 1891, den Lohn in Reichswährung zu berechnen und bar auszuzahlen. Also im Grunde ist es auch die Truck-Gesetze in Großbritannien machen.
32:42
Ein Vertrag, der die Beschäftigten zum Beispiel dann auch zum Einkauf in einem bestimmten Laden verpflichtet, ist auch ungültig.
32:50
Die Miete für eine Werkswohnung darf der Betrieb allerdings weiterhin vom Lohn abziehen, solange sie ortsüblich ist. Also der Staat greift beim Laden ein, beim Wohnen lässt er die Firma gewähren. Und wie viel an diesem Hebel hängt, das können wir dann wieder an einem Ort in den USA anschauen, an dem es gar kein Script gibt, aber wo die Probleme anders entstehen.
33:12
Bei Pullman bei Chicago. In deiner Folge GRG 376 über George Nagelmackers und den Orient Express. Da waren wir ja, schau mal, bei diesen amerikanischen Schlafwagen.
33:27
George Pullman baut die südlich von Chicago und ab 1880 lässt er neben seiner Waggonfabrik auch eine Stadt für die Beschäftigten dort bauen. Pullman baut dort Backsteinhäuser, lässt Wasserleitungen und Kanalisationen verlegen. Die Familien wohnen damit oft besser als in vielen Arbeitervierteln der Stadt.
33:47
Kaufen können sie die Häuser allerdings nicht. Und ungefähr ein Drittel der Beschäftigten mietet bei dieser Firma und Pullman will auch mit diesen Häusern Geld verdienen.
33:57
Also am Zahltag zieht die Firma dann zuerst einmal die Miete direkt vom Lohncheck ab. Das wird dann allerdings gesetzlich ein bisschen eingeschränkt und deswegen stellen sie zwei Schecks aus. Also einer entspricht genau der Miete und soll bei der Pullman Bank abgegeben werden. Auf dem zweiten steht dann, was vom Lohn noch übrig ist.
34:17
1893 allerdings beginnt eine schwere Wirtschaftskrise und Pullman entlässt Beschäftigte, verkürzt die Arbeitszeit und senkt bis zum Frühjahr 1894 die Löhne im Durchschnitt um 28 Prozent. Die Mieten allerdings, die bleiben unverändert und viele Familien verlieren damit gleichzeitig unter anderem auch die Einnahmen von Untermietern. Also die Firma kürzt den Betrag aus dem einen Scheck, während der Scheck für die Miete einfach gleich bleibt.
34:45
Am 11. Mai 1894 legen deshalb mehr als 3000 Beschäftigte die Arbeit nieder. Ein Streik findet statt. Andere Eisenbahner weigern sich auch bald Pullman-Wagen überhaupt zu bewegen. Und das Bundesgericht greift dann allerdings ein. Die Regierung setzt Soldaten ein. Dieser Boykott bricht dann im Juli zusammen. Und Ende August ist auch der Streik in der Fabrik am Ende.
35:09
Das Wohnen an sich bleibt aber trotzdem ein Thema. 1898 ordnet der oberste Gerichtshof von Illinois an, dass Pullman den Grundbesitz verkaufen muss, der nicht zum eigentlichen Industriebetrieb gehört. Und 1907 verkauft die Firma dann den größten Teil der Stadt. Die Bewohner übrigens dürfen zuerst kaufen, wenn sie wollen. Mhm.
35:31
In Pullman gab es also kein Script und keinen Firmenladen, in dem man einkaufen hat müssen und trotzdem hat die Firma am Zahltag den Hebel in der Hand, weil eben auf einem der beiden Schecks die Miete steht und Dieser Hebel einer Wohnung, den gibt es in den Kohleorten halt genauso. Und deshalb steckt sich auch dort die Frage, was passiert, wenn die Beschäftigten sich gemeinsam gegen die Firma wehren. Also wer streikt, der muss seine Familie trotzdem versorgen, die Miete läuft weiter und Lebensmittel braucht man auch.
36:02
Und für beides ist man in diesen Kohleorten eben vor allem auf die Firma angewiesen, gegen die man gerade streikt.
36:10
Und 1933 kriegen die Gewerkschaften durch den New Deal eine gesetzliche Unterstützung. Nur zur Erinnerung, das ist dieses Reformprogramm von Präsident Franklin, die Roosevelt, mit dem er die USA aus der Weltwirtschaftskrise holen will.
36:26
Die Beschäftigten, die sollen sich organisieren, gemeinsam vertreten lassen und auch bei der Stoniga Coke & Coal Company beginnt in diesem Jahr dann eine Kampagne, um die Bergleute für diese Gewerkschaft zu beginnen. Die Firma wehrt sich natürlich, sie entlassen Leute, die die Gewerkschaft aufbauen.
36:42
In Derby, einem ihrer anderen Standorte, da müssen einige dann auch aus den Firmenhäusern ausziehen. Da trifft zum Beispiel einen gewissen TV-Läster nach einer Verletzung, kriegt er keine Entschädigung, verliert dann seine Stelle und muss aus dem Firmenhaus ausziehen. Aber auch unter den Bergleuten wollen eh nicht alle in so eine Gewerkschaft. Das Ganze zieht sich ab 1933 sechs Jahre hin bis 1939. Und im Jahr 1939 erkennt dann die United Mine Workers of America, Die UMWA, die wird anerkannt als die Vertretung der Bergleute.
37:18
Und eine Mitgliedschaft in dieser Gewerkschaft ist jetzt auch Bedingung dafür, dass man überhaupt dort arbeiten kann. Über den Lohn und die Abzüge muss jetzt also mit der Gewerkschaft verhandelt werden, auch über die Leistungen für die Arbeiter. Später übernehmen dann auch Wohlfahrtsfonds der Gewerkschaften Aufgaben, für die vorher eben stärker die einzelnen Firmen zuständig waren. Script allerdings gibt es trotzdem weiter.
37:41
Wann die Bergleute aufhören, Midscript einzukaufen, das ist dann auch von Ort zu Ort verschieden. Also manche Firmenläden, die verlieren schon lange vorher Kunden an andere Hände. Also die Bauern am Rand dieser Camps und die Versandkataloge, über die haben wir ja schon gesprochen. Später haben dann aber immer mehr Familien ein Auto. Da können wir mit dem Auto einkaufen fahren. Die neu gebauten Straßen, die helfen dann auch, wenn zum Beispiel jemand in einer anderen Grube arbeiten will. Man ist nicht mehr so gebunden an diesen einen Ort.
38:12
Auch die Gesetze setzen jetzt den Firmen entsprechende Grenzen. Also einzelne Bundesstaaten schränken ein, wann Arbeit das Grip nehmen müssen, regeln, ob sie es weitergeben dürfen oder verlangen, dass es in Bargeld eingelöst werden kann. In West Virginia zum Beispiel ändern sich solche Regeln über Jahrzehnte, also Vorschüsse. Und Einkäufe auf Kredit, die bleiben bei der Lohnabrechnung trotzdem möglich, aber ab den 1930er Jahren, wie in Storniger, redet zunehmend die Gewerkschaft halt auch mit, was ausgezahlt und in welcher Form es ausgezahlt werden darf.
38:49
Und grundsätzlich ist es so, dass die Gruben jetzt immer weniger Arbeiter benötigen.
38:55
Mit dem Continuous Miner, also einer Maschine, lässt sich die Kohle jetzt direkt aus dem Flötz schneiden und abladen. Du erinnerst dich vielleicht an den Bergmann mit seiner Spitzhacke und dem Pulver und dem Kohlewagen. Für dieselbe Menge Kohle braucht die Mine mit solchen Maschinen jetzt einfach viel weniger Männer. Und zwischen 1950 und 1965, da gehen auf diese Art und Weise hunderttausende Arbeitsplätze verloren.
39:21
Und die Firmen beginnen jetzt auch ihre Häuser zu verkaufen. Also im Oktober 1953 gibt die Firmenzentrale in Philadelphia der örtlichen Leitung Instonega die Erlaubnis, die Häuser zu verkaufen. Und so wie an vielen anderen Orten auch schließt ein Indosina, also dort wo Melba Kisir als Mädchen eingezogen ist, da schließt die Mine am 8. Februar 1961.
39:45
Und oft findet sich nach der Schließung auch niemand, der die Häuser übernehmen oder auch so ein Geschäft weiterführen kann. Wer will in so einem Ort ein Haus kaufen, wo der wichtigste Arbeitgeber gerade zugrunde gegangen ist, Junge Leute ziehen weg, manche Gebäude werden abgetragen, andere verfallen. In Dossina allerdings, da können viele ihre Häuser kaufen. Laut Melba Kisir tut das auch die Mehrheit. Die neuen Eigentümer bauen dann halt die kleinen Häuser aus. Und der Company Store, der wird dann einfach zum normalen Lebensmittelgeschäft.
40:19
Garrett, der ja 1923 nach Wheelwright gezogen ist, der erinnert sich dann später daran, wie voll die Stadt in den 1930ern war. Aber in den 1950ern, schau, da sind die Geschäfte, auch das Schwimmbad sind verschwunden. Die Züge kommen nicht mehr, weil auch der Bahnhof stillgelegt worden ist. Wer hier aufwächst, sagt er dann sinngemäß, muss irgendwo anders hin. Hier ist nichts mehr.
40:47
Und damit nochmal zurück zu Sixteen Tons. Dieser Bergmann, der dem Laden seine Seele schuldet und deshalb nicht mehr weg kann. So ausweglos wie das Lied erzählt, war es nicht überall. Aber die Firma kann jemanden entlassen und ihm auch noch das Haus wegnehmen. Dafür braucht es keine 16 Tonnen und auch keine Schulden im Laden. Dafür reicht es, die Firma, bei der man arbeitet, gleichzeitig dies, bei der man wohnt.
41:12
Am Anfang habe ich gefragt, ob und wie so ein Laden jemanden wirklich binden kann. Bei Garrett zum Beispiel, da stehen wir am Ende dann vor der umgekehrten Frage, ob die nächste Generation in so einem Ort überhaupt noch bleiben kann.
41:26
Tja, und das Werter Daniel war meine Geschichte über Scrib und darüber, was alles an so einem kleinen Stück Firmengeld hängen kann.
41:36
Sehr gut, Richard. Es ist insgesamt eine komplexe Situation, weil einerseits ist es eine gewisse Abhängigkeit, die entsteht und andererseits aber eben auch eine gewisse Sicherheit, die dadurch gegeben wird.
41:52
Genau. Und das hat mich so fasziniert, weil mein erster Gedanke auch damals, als wir über über die Frankfurter Bierunruhe gesprochen haben und ich dann erwähne, man nennt das ja auch Scrib, da war mein Gedanke im Kopf immer, ja, Scrib ist das, mit dem man im Grund ausgenommen wird. Also Scrib ist das, was ausgeben wird und wo man dann gebunden wird an einen Ort und man hat keine Möglichkeit wegzukommen. Und ich wollte eine Folge darüber machen, Und lustigerweise wollte ich eine Folge darüber machen, weil ich letztens fertig geschaut, die Serie Night of the Seven Kingdoms, so ein Spin-Off von Game of Thrones.
42:29
Und am Ende der letzten Folge, da spielen sie diesen Song, Sixteen Tons. Und dann habe ich mich auch daran erinnert, dass mein Vater den oft ein bisschen zitiert hat. Vor allem die Another Day Older and Deeper in Death. Und dann ist mir eingefallen, dass ich schon mal mir gedacht habe, ich möchte eine Folge über das Script machen.
42:48
Und wie so oft in der Vorbereitung von einer Folge habe ich dann diese Sachen gelesen und habe gemerkt, es ist tatsächlich alles ein bisschen komplexer, als man denkt. Aber eben auch so spannend, weil es im Grunde dieses Truck-System gibt. Und dieses Truck-System, ich habe das ja nicht sehr ausgeführt in Großbritannien zum Beispiel. Das existiert aber schon seit dem 15. Jahrhundert. Also dieser Tausch, dass du was nicht im Geld ausgezahlt kriegst, sondern in Waren und solche Dinge. Das hat lange Zeit existiert, aber es wird dann eben im Zuge des 19. Jahrhunderts mehr oder weniger verboten und dann findet es das Ganze eben auch über dem Atlantik in diesen Coaltowns und diese Coaltowns sind für sich dann auch schon wieder so interessant, weil es da so viele unterschiedliche Aspekte gibt.
43:32
Wo es nicht nur die Ausbeutung ist, sondern vor allem auch, warum jemand überhaupt dorthin zieht und was es für Leute bedeuten kann. Und dass es schlussendlich eben für viele einfach eine sichere Arbeit bedeutet, wo sie dann auch gewisse Dinge in Kauf nehmen.
43:47
Und es erinnert mich an ein anderes Beispiel, wo man diese unterschiedliche Einordnung dessen ganz gut sehen kann. Ich weiß nicht, ob die in der Vorbereitung auch mal Krupp über den Weg laufen ist, Alfred Krupp.
43:57
Habe ich mir gedacht, könnt die mit reinnehmen, aber jetzt hat man dann nicht so in den Flow der Geschichte gepasst.
44:03
Weil das ist so das berühmte deutsche Beispiel, der sich sehr so eine soziale Fürsorge auf die Fahnen schreibt und gleichzeitig aber eine sehr rigide Kontrolle einführt. Das heißt, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die bezeichnet er, glaube ich, auch als seine Kinder. Also er versteht sich wirklich so als Vater dieser Firma. Und es gibt eben die Möglichkeit, dort einzukaufen. Und es gibt auch eben einerseits diesen Bonus und auf der anderen Seite aber eben ist es die totale Kontrolle, die dadurch entsteht.
44:30
Und ich kann mich erinnern, ich habe schon unterschiedliche Debatten dazu gehört. Manche, die dann sagen, okay, das ist quasi die neue Abhängigkeit, die man vorher hatte mit der Leibeigenschaft. Das ist jetzt quasi eine industrialisierte Version davon. Und eben auf der anderen Seite kann man eben auch sagen, ja gut, aber wenn der Staat nicht für diese Fürsorge sorgt, dann ist es eben ein Unternehmer, der das macht.
44:50
Ja.
44:53
Ist ja auch wieder ein ganz anderer. Also nicht ganz anderer, aber es erweitert natürlich das, über das Sie gesprochen habe ich jetzt noch um einiges, nämlich diese Städte, die gebaut werden, um eben Fürsorge und so weiter zu tragen, aber gleichzeitig eben auch dafür zu sorgen, dass die Leute eben in diesem Ort wohnen und dass sie sich an bestimmte Regeln halten müssen und so weiter. Und es gibt ja nicht nur Krupp, sondern es ist ja vor allem auch in Großbritannien viel gemacht worden, auch in den USA, Wo dann wirklich immer die Frage ist, ist das, was jemand macht in erster Linie, weil er will, dass es seinen Arbeiterinnen und Arbeitern gut geht und weil er weiß, dass das Unternehmen besser läuft, wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter gut versorgt sind?
45:35
Oder geht es wirklich darum, einfach den maximalen Einfluss zu haben, auch auf die Lebenswelt der Menschen? Weil in vielen dieser Orten Und da beschränkt sich das ja nicht nur darauf, dass man dort wohnt und dann in der Fabrik arbeitet, sondern da gibt es dann natürlich auch Aktivitäten außerhalb der Arbeit, die auch oft kontrolliert werden vom Unternehmen.
45:55
Naja, da kannst du alles steuern. Also ich glaube, weil das ist in so einer Lebenswelt von einem Krupp zum Beispiel schon so, dass er das nicht macht, weil er sagt, ich will absolute Macht ausüben, sondern er hat gute Absichten dabei. Aber diese guten Absichten müssen nicht heißen, dass es auch tatsächlich für die Leute das bessere Leben ist.
46:12
Ja, kein Serienspruch. The road to hell is paved with good intentions.
46:18
Ja.
46:19
Aber vor allem auch denke ich, dass in jener Zeit natürlich auch das Selbstverständnis von jemandem, der so eine Firma geführt hat und sowas aufgebaut hat, halt auch war, dass natürlich einhergeht dann mit den guten Dingen, die er tut, dass er dann auch eine gewisse Macht hat. Ja, die Leute. Eben, andere Lebensweise, andere Zeit und andere Art und Weise, wie Leute über Kontrolle und über Macht und über Macht aus Übung gedacht haben. Aber ja, kann natürlich oder ist oft so gewesen, dass das eine, also dass man denkt, man tut den Leuten was Gutes, das andere nicht ausschließt.
46:54
Ja, aber weil du jetzt auch die Kohleminen beschrieben hast und das ist natürlich auch...
47:01
Also, wenn man sich in diese Lebenswelt versucht reinzusetzen, ein unglaublich anstrengendes Leben und auch unglaublich kräftezehrend und ich kann mir auch vorstellen, dass die Lebenserwartung dieser Menschen nicht besonders hoch war. Ja.
47:15
Ich habe jetzt keine Statistiken zur Lebenserwartung, aber ja, kann man natürlich annehmen.
47:19
Es ist, abgesehen davon, dass du natürlich ständig in diesem Kohlestaub bist, was für den Körper und vor allem für die Lungen nicht hervorragend ist, ist halt auch gefährlich. Also was ich beschrieben habe, die Art und Weise, wie das mit dem Pulver, das dann Sprengungen auslöst, gemacht wird, die Wahrscheinlichkeit, dass die Der Teil der Grube, in der du bist, der zusammenbricht, das ist eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es oft genug passiert. Das ist ein schwieriges und gefährliches und anstrengendes Leben gewesen.
47:49
Und deswegen ist es natürlich auch nicht verwunderlich, dass es vor allem Leute gemacht haben, die halt sonst nirgendwo das Ausland gefunden haben. Also gerade in diesen Gegenden in Appalachia, wo dann die Farmen aufgeteilt werden, wo dann nicht mehr genug zur Verfügung ist, um einfach nur sich selber auch ernähren zu können, nicht einmal um irgendwie Großgeschäfte machen zu können. Da ist dann, wenn solche weiteren Gruben aufgemacht werden, Natürlich schon sehr naheliegend, dass man dort hingeht und schaut, dass man dort arbeiten kann.
48:20
Vor allem, wenn man dann auch Häuser hat, die dort gebaut werden, wenn man die Familie nachholen kann. Und so ergeben sich dann halt auch diese unterschiedlichen Abhängigkeiten.
48:31
Das heißt, Richard, Hinweisgeber in dem Fall für diese Folge ist dein Vater. Ja.
48:36
Ja, unter anderem. Also tatsächlich Auslöser war, dass sie dieses Finale angeschaut haben und diesen Song wieder mal gehört haben und dann gedacht haben, ah, jetzt muss ich mal was über das Script machen. Aber natürlich den Song auch so im Kopf gehabt noch von meinem Vater. Also naheliegend auch, dass er das immer, hat halt Kinder gehabt, die ihm ständig die Haare vom Kopf gefressen haben.
48:58
Dann another day older and deeper in death. Ja, ja.
49:03
So ist es.
49:04
Aber gibt es noch Literatur oder irgendwas, was du sonst noch empfehlen kannst? Also sehr wichtig für diese Folge ist Crandall A. Schifflett, der hat Grimm-Cole Towns, Life, Work and Culture in Company Towns of Southern Appalachia, 1880-1960. Das ist aus dem Jahr 1991.
49:23
Dann zu dem Truck System, quasi so des Standardwerkes von George W. Hilton, das heißt, The Truck System Including the History of the British Truck Acts, 1465-1960. Price v. Fishbeck hat geschrieben, Soft Coal, Hard Choices, the Economic Welfare of Bituminous Coal Miners, 1890-1930.
49:45
Und erwähnt habe ich auch Elaine Tan, die geschrieben hat, ein Paper in the Economic History Review. Das heißt, Script as Private Money, Monetary Monopoly and the Rent Seeking State in Britain. Und natürlich...
50:01
Stendhal, Le Rouge et Le Noir und meine Version, meine deutsche Version, die übersetzte, ist die neueste und ich glaube, es ist auch die beste Übersetzung von Elisabeth Edel, einer österreichischen Literaturwissenschaftler. Sehr schön. Ja, gut. Wegen dem Lied, ja, ich wünschte, ich hätte es irgendwie abspielen können oder...
50:26
aufnehmen lassen und abspielen, aber leider, da sitzt noch ein fettes Copyright drauf bis in die, glaube ich, 2040er.
50:34
Ah, ja.
50:37
Jetzt ist es leider, mir ist es zu kompliziert mit den Lizenzen.
50:44
Ja, es gibt leider wirklich immer noch keinen einfachen Weg, eine Podcast-Lizenz zu erwerben.
50:50
Ja, liebe GEMA, looking at you.
50:55
Ich bin dann auch so, ach, wie wir das antun für, weil du darfst ja nicht einmal, es gibt ja nicht einmal dieses Zitationsding, dass du dort ein paar Sekunden oder so abspielen kannst von so einem Song. Ich bin auch selbst, dass ich den Text jetzt hier vorgelesen habe, ich glaube, das ist auch schon kurz vorm Graubereich.
51:12
Aber ich glaube, es passt, wenn es darum geht, dass wir dann halt spezifisch besprechen. Wenn ich einfach nur vorlesen würde, um zu set the mood oder so, dann wird es, glaube ich, schon schwieriger.
51:23
Ja, tatsächlich, das glaube ich auch. Aber das ist okay innerhalb des Zitatsrechts. Aber bei Musik wird es dann schwieriger.
51:31
Und vor allem, und das habe ich ja auch schon öfter betont, ich weiß, falls es jetzt jemand schreibt, es gibt Podcast-Lizenzen von der GEMA, aber die helfen dir nichts, weil die sind nicht auf unbegrenzt, sondern da musst du quasi ein Paket kaufen. Entweder ein zeitiges Paket oder quasi ein Mengenpaket, wie viele Downloads. Und ich will ja nicht in dieser Folge immer wieder mal schauen müssen, passt das Paket noch?
51:53
Also es ist ja Quatsch.
51:58
Gut, also deswegen versuchen wir ja auch immer über Dinge zu sprechen, die gemeinfrei sind, damit wir sie dann auch verwenden können. Aber in dem Fall, nachdem das so ein zentraler Song für diese Folge ist, habe ich dann natürlich nicht austauschen können.
52:14
Aber das Gute ist, du kannst bei Campfire zumindest den Link zu einem YouTube-Video verlinken. Das ist erlaubt. Ja, das ist erlaubt.
52:26
Vielleicht, ich habe mir auch überlegt, wäre es sinnvoll hier zum Beispiel, weil dieser Song, der klingt auch so danach, als ist das irgendwie was, was so tradiert wird. Wenn du ihn anhörst, dann merkst du, der denkt, das ist so ein alter Folk-Song, den sie vielleicht schon seit Ewigkeiten kennt. Aber tatsächlich eben wie Schifflett in seinem Buch auch schreibt, es gibt keine Tradition dieses Songs, bevor er geschrieben worden ist. Deswegen gibt es auch gar keins, quasi eine Proto-Version dieses Songs, den er abspielen hat können.
52:59
Das ist, glaube ich, auch oft ein Geheimnis, dass sich irgendwas so anhört, als würde das auf einer Tradition beruhen. Ja, voll.
53:06
Gerade bei solchen Songs aus jener Zeit, wo natürlich viele schon, also es ist ja auch die Zeit dieser Gewerkschaftsmusik, die ja wirklich auf tatsächlichen Arbeiterinnen-Songs basiert. Deswegen, es lehnt sich ein bisschen daran an und weckt den Eindruck, aber tatsächlich nicht.
53:28
Sehr gut. Ja, Richard, vielen, vielen Dank für die Folge. Spannendes Thema. Hast du dieser Geschichte noch was hinzuzufügen?
53:35
Nein, ich würde sagen, wir springen weiter zum Feedback-Hinweis-Blog. Wer Feedback geben will zu dieser Folge oder anderen, kann das per E-Mail machen.
53:47
Kann es auf den diversen Social-Media-Plattformen tun. Dort heißen wir gemeinhin Geschichte FM, außer im Fediverse. Wer uns dort folgen will, gibt Geschichte.Social in einem Browser ein und landet damit direkt auf unserem Mastodon-Profil. Kann uns dort folgen.
54:04
Und wer uns reviewen will, Sterne vergeben und solche Dinge, kann das bei Apple Podcasts tun oder grundsätzlich überall, wo man Podcasts bewerten kann. Und wer direkt in einer Folge kommentieren will, Hintergrundinfos, so wie es der Daniel vorhin erwähnt hat, zum Beispiel Links zu Videos finden will an bestimmten Stellen, kann das bei Campfire machen. Einfach auf joincampfire.fm gehen, die App installieren und dann unserer Community beitreten.
54:31
Merch gibt es unter Geschichte.shop und es gibt zwei Möglichkeiten, diesen Podcast werbefrei zu hören. Bei Apple Podcasts gibt es den Kanal Geschichte Plus und bei Steady kann man sich den Feed kaufen für 4 Euro im Monat. Da gibt es halt Infos unter Geschichte.fm slash Steady. Wir bedanken uns in dieser Woche bei Judith, Mario, Urs, Laura, Katharina, Achim, Lars, Sebastian, Dirk, Florian, Oliver, Sarah, Carsten, Mitra, Und Günther, vielen, vielen Dank für eure Unterstützung.
55:03
Ja, vielen herzlichen Dank und danke an Lene Kieberl fürs Schneiden dieser Folge.
55:09
Herr Richard, dann würde ich sagen, gehen wir dem einen das letzte Wort, der es auch sonst immer hat.
55:15
Richtig, nämlich Bruno Kreisky.
55:21
Lernen Sie ein bisschen Geschichte.
55:23
Lernt ein bisschen Geschichte, dann werdet ihr sehen, wie der Reporter sich damals entwickelt hat. Wie der sich damals entwickelt hat.
55:30
Kann ich unbedingt landessprachlich aussprechen?
55:36
Ja, Aussprache. It comes with the territory, wenn man einen Podcast macht.
55:44
Dass Aussprache natürlich eine wichtige Sache ist, weil es das Einzige, was die Leute mitkriegen.
55:49
Absolut. Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass wir uns da jetzt in was reinreden. Lass uns doch weitermachen mit der Geschichte. Hast du was vorbereitet, Richard? Natürlich habe ich was vorbereitet.
56:05
Bevor es hier jetzt aber weitergeht, kommt noch eine kleine Werbeeinschaltung.
56:11
Der 7One-Audio-Podcast-Tipp.
56:15
Hallo, wir sind's, Max und Jakob von Beste Vater Freunden. Und wenn ihr euch ein langweiliges Thema aussuchen könntet, es gibt ja so richtig langweilige Themen. A, ich höre jemanden dabei zu, der Uhren zusammenbaut. Ich höre jemanden dabei zu, wie er Karten spielt. Oder ich höre jemanden dabei zu, wie er über seine Kinder redet. Letzteres sind wir bei Beste Vater Freunden. Aber es gibt doch viel mehr zu entdecken. Und wir kriegen immer wieder die Nachricht, dass uns erstaunlich viele Leute hören, die gar keine Kinder haben. Warum müsst ihr selber rausfinden? In Beste Vater Freuden. Jeden Dienstag überall, wo es Podcasts gibt.
56:50
Ende der Werbung.